Die Kammer
Beschreibung

Autor: Grisham, John
Verlag: Heyne
Preis: 9,95 Euro
Bewertung: ★★★★★
Über das Buch
Sam Cayhall, Ku-Klux-Klan-Mitglied in vierter Generation, wurde wegen seiner Beteiligung an einem Sprengstoffanschlag im Jahr 1967 zum Tod verurteilt. Vier Wochen vor der Vollstreckung übernimmt sein Enkel Adam Hull überraschend die Verteidigung und versucht, die Hinrichtung zu verhindern.
Die Handlung
Der Anschlag von 1967
John Grisham beginnt mit einem fiktiven Ku-Klux-Klan-Attentat im Jahr 1967. Sam Cayhall war an einem Sprengstoffanschlag beteiligt, bei dem Unschuldige ums Leben kamen. In zwei Gerichtsverfahren wurde er zunächst freigesprochen, 1981 dann allerdings zum Tod verurteilt.
Nach mehreren Aufschüben wird die Vollstreckung in der Gaskammer für den 8. August 1990 angesetzt.
Der Enkel als letzte Hoffnung
Vier Wochen vor der Hinrichtung taucht überraschend Sam Cayhalls Enkel Adam Hull auf - ein junger Rechtsanwalt, der seinen Großvater bis dahin noch nie gesehen hat. Adam übernimmt die Verteidigung und versucht verzweifelt, die Hinrichtung zu verhindern oder wenigstens zu verzögern.
Sam stellt Bedingungen: Adam muss sich verpflichten, keine Interviews zu geben. Noch wichtiger: Ein Gnadengesuch beim Gouverneur ist ausgeschlossen. Ausgerechnet David McAllister, der Staatsanwalt der Anklage, wurde 1989 zum Gouverneur von Mississippi gewählt. Sam ist überzeugt, dass der Karrierist sich nur medienwirksam auf seine Kosten profilieren will.
Die Familiengeschichte
Adam findet heraus, dass bereits Sams Urgroßvater Colonel Jacob Clayhall Mitglied des Ku-Klux-Klan war. Die Tradition setzte sich über vier Generationen fort:
- Sam wurde schon als Kind von seinem Vater zu einem Lynchmord mitgenommen
- Als 15-Jähriger gehörte er zu einer Gruppe von Jugendlichen, die sich vor einem gelynchten Afroamerikaner fotografieren ließen
Während Adam Hull versucht, die bevorstehende Hinrichtung zu verzögern, führen immer wieder Rückblenden in die Vergangenheit.
Themen
Die Todesstrafe
Mit “Die Kammer” veranschaulicht John Grisham die Fragwürdigkeit und Grausamkeit der Todesstrafe. Ob jemand zum Tod verurteilt und dann auch hingerichtet wird, hängt von vielen Faktoren ab:
- Zufälle spielen eine Rolle
- Mit Gerechtigkeit haben die Vorgänge nur am Rande zu tun
- Die letzten Wochen und Tage im Todestrakt sind unerträglich
- Die Vollstreckung der Todesstrafe ist barbarisch
Rassismus in den USA
Nebenbei streift Grisham auch das Thema Rassismus in den USA. Die Geschichte des Ku-Klux-Klan über vier Generationen zeigt die tiefen Wurzeln der Diskriminierung im amerikanischen Süden.
Stil und Struktur
John Grisham beginnt “Die Kammer” mit dem Attentat im Jahr 1967. Mit dem vierten Kapitel springt er ins Jahr 1990. Während Adam Hull um das Leben seines Großvaters kämpft, führen Rückblenden immer wieder in die Vergangenheit.
Kritik
Positive Aspekte:
- Eindrückliche Darstellung der Unmenschlichkeit der Todesstrafe
- Packende Geschichte um Schuld und Sühne
- Kritische Auseinandersetzung mit Rassismus
Kritische Stimmen:
- Redundante Passagen
- Überflüssige Handlungsstränge
- Belanglose Details
- Die psychischen Vorgänge hätten noch heller ausgeleuchtet werden können
Ein Verzicht auf diese Elemente hätte dem Buch gut getan, aber die Kernaussage bleibt kraftvoll.
Verfilmung (1996)
The Chamber - Die Kammer
- Regie: James Foley
- Drehbuch: William Goldman, Chris Reese
- Hauptdarsteller:
- Gene Hackman (Sam Cayhall)
- Chris O’Donnell (Adam Hall)
- Faye Dunaway (Lee Cayhall Bowen)
- Laufzeit: 110 Minuten
Grishams Reaktion
John Grisham soll über die Verfilmung entsetzt gewesen sein. Die Umsetzung entsprach offenbar nicht seinen Vorstellungen vom Roman.
Bedeutung
“Die Kammer” ist einer der wenigen Grisham-Romane, die sich explizit mit der Todesstrafe auseinandersetzen. Das Buch zeigt Grishams Engagement für gesellschaftskritische Themen und seine Fähigkeit, moralische Dilemmata eindringlich zu schildern.
Es wird bei der Lektüre deutlich, wie unerträglich die letzten Wochen und Tage im Todestrakt sind und wie barbarisch die Vollstreckung der Todesstrafe ist - unabhängig von der Schuld des Verurteilten.