Die Jury

Beschreibung

Die Jury Cover

Autor: Grisham, John

Verlag: Heyne

Preis: 13,00 Euro

Bewertung:

Über das Buch

Gerechtigkeit oder Rache? Ein zehnjähriges Mädchen wird brutal misshandelt und vergewaltigt. Ihr Vater, Carl Lee Hailey, übt Selbstjustiz und tötet die geständigen Täter, als sie nach einer ersten Anhörung den Gerichtssaal verlassen. War es Rache oder Gerechtigkeit?

Die Handlung

In der fiktiven Kleinstadt Clanton im amerikanischen Bundesstaat Mississippi wird die schwarze zehnjährige Tonya Hailey von zwei betrunkenen weißen Männern, Billy Ray Cobb und James “Pete” Williard, brutal vergewaltigt. Das Mädchen entgeht knapp dem Tod, wird aber nie wieder Kinder bekommen können.

Als die beiden Männer zu einer ersten Anhörung in das Gerichtsgebäude geführt werden, erschießt sie Tonyas Vater, Carl Lee Hailey, mit einem M16-Sturmgewehr. Bei der Schießerei trifft er unbeabsichtigt auch den begleitenden Polizisten, dem das Bein amputiert werden muss.

Der Sensationsprozess

Das Gerichtsverfahren, das daraufhin gegen Carl Lee Hailey eingeleitet wird, gerät zum Sensationsprozess. Als Schwarzer, der es wagt, im amerikanischen Süden Lynchjustiz an den weißen Peinigern seiner Tochter zu üben, erwartet ihn das Todesurteil.

Der junge weiße Anwalt Jake Brigance übernimmt seine Verteidigung. Staatsanwalt, Richter und Verteidiger sind Weiße, Hailey ist ein Schwarzer. Jake kämpft darum, dass die Jury über die Hautfarbe hinwegsieht und in das Herz des Mannes blickt, um seine Handlung zu verstehen (nicht zu billigen).

Themen und Gesellschaftskritik

Grisham gelingt es bereits in seinem Erstlingswerk, seine Leser packend in den Kampf Schwarz gegen Weiß hineinzuziehen. Er führt die Diskriminierung der Schwarzen – auch im Justizsystem – den Lesern vor Augen und zeigt, dass ein Gesetz noch nicht die private und persönliche Einstellung der Menschen ändert.

Der Roman wirft fundamentale Fragen auf:

  • Kann ein Schwarzer in den USA einen fairen Prozess bekommen?
  • Rechtfertigen die Umstände die Selbstjustiz?
  • Wie würde die Jury entscheiden, wenn die Rollen vertauscht wären?
  • Setzt ein Freispruch nicht ein gefährliches Signal für weitere Selbstjustiz?

Clanton und das Grisham-Universum

Mit “Die Jury” erschuf Grisham den fiktiven Ort Clanton im Ford County, Mississippi, zu dem er immer wieder zurückkehrt. Wichtige Figuren:

  • Jake Brigance: Junger Anwalt, Held des Romans
  • Richter Omar Noose: Herr des Gerichtssaals
  • Harry Rex Vonner: Scheidungsanwalt und wichtige Nebenfigur
  • Lucien Wilbanks: Anwalt und Vermieter von Brigances Kanzlei

Diese Charaktere tauchen in weiteren Romanen wieder auf:

  • “Der Richter” (2002)
  • “Die Erhin” (2013) - spielt 4 Jahre nach “Die Jury”
  • “Die Liste” (2004)
  • “Der Polizist”

Entstehungsgeschichte

John Grisham arbeitete drei Jahre an seinem ersten Roman. Zu dieser Zeit war er noch als Anwalt in einer kleinen Stadt tätig und “hatte es nicht einfach”. Der Roman verkaufte sich anfangs “nicht gut” und kam zunächst nicht einmal als Taschenbuchausgabe heraus - eine frustrierende Erfahrung für Grisham. Erst später bekam das Buch die verdiente Anerkennung.

Für Grisham ist “Die Jury” sein persönlichster Roman. Er hat sein Herz und seine Seele in dieses Werk gegossen.

Verfilmung (1996)

  • Regie: Joel Schumacher
  • Hauptdarsteller:
    • Matthew McConaughey (Jake Brigance)
    • Sandra Bullock
    • Samuel L. Jackson (Carl Lee Hailey)
    • Kevin Spacey, Ashley Judd, Kiefer Sutherland
  • Box Office: ~152 Millionen USD (Budget: 40 Millionen)

Auszeichnungen:

  • Samuel L. Jackson: Golden Globe Nominierung
  • Sandra Bullock & Jackson: Blockbuster Entertainment Award
  • Matthew McConaughey: MTV Movie Award

Kritik:

  • Roger Ebert lobte den “geschickt konstruierten” Film
  • Amnesty International Frankreich kritisierte die Rechtfertigung von Selbstjustiz
  • Les Inrockuptibles beschrieb ihn als “ekelhaft” und “ultra-populistisch”

Stil und Rezeption

Grisham zeigt bereits in seinem Debüt sein Können: Spannung und Atemlosigkeit als Stilmittel. Die Charaktere sind glaubhaft und überzeugend ehrlich gezeichnet. Der Roman ist emotional und mit viel Gefühl geschrieben.

Viele Leser und Kritiker sehen “Die Jury” als Grishams bestes Werk - vielleicht weil es sein erstes war und er seine ganze Leidenschaft hineinlegte.

Kritikpunkt: Grisham distanziert sich zu wenig von der Selbstjustiz. Die differenzierte Betrachtung, dass es sich um einen Einzelfall handelt, kommt zu kurz.

Erfolg

Allein im Heyne Verlag brachte es das Buch bis 2007 auf insgesamt 44 Auflagen. Heute gilt es als einer der Klassiker unter den Justizthrillern.