Die Bruderschaft
Beschreibung

Autor: Grisham, John
Verlag: Heyne
Preis: 9,99 Euro
Bewertung: ★★★★★
Über das Buch
Wenn ein Brief zur Waffe wird: Drei verurteilte, ehemals angesehene Richter brüten im Gefängnis über einem genialen Coup. Mit scheinbar harmlosen Briefen locken sie zahlungskräftige Opfer an, die sie dann erbarmungslos erpressen. Doch als die Bruderschaft an einen mächtigen Politiker gerät, droht die Sache aus dem Ruder zu laufen.
Die Handlung
Die Bruderschaft
Drei ehemalige Richter sitzen in Trumble, einem liberalen Bundesgefängnis in Florida:
- Finn Yarber (60): Ehemaliger Oberrichter aus Kalifornien (verurteilt wegen Steuerhinterziehung)
- Joe Roy Spicer: Ehemaliger Friedensrichter in Mississippi (verurteilt wegen Veruntreuung von Bingo-Gewinnen)
- Hatlee Beech (56): Ehemaliger Bundesrichter in Osttexas (verurteilt nach betrunkener Spritztour)
Die drei werden innerhalb des Gefängnisses “Die Bruderschaft” genannt. Sie veranstalten wöchentlich Gerichtsverhandlungen, in denen kleine Streitereien zwischen Insassen geschlichtet werden. Auch bieten sie Rechtsberatung für Berufungen an - gegen Bezahlung.
Das Erpressungsschema
Da die Zeit lang ist und die kriminelle Energie des Trios unerschöpflich, erfinden sie zwei knackige Jungs und inserieren in Schwulenmagazinen. Mit blumiger Prosa bauen sie Brieffreundschaften mit älteren Herren auf, die nichts mehr fürchten als ihr Coming Out.
Ihr Komplize ist Trevor, ein korrupter und fauler Anwalt, der die Postfächer der potentiellen Opfer ermittelt. So gelangen sie an die wahren Identitäten ihrer Opfer und beginnen, diese zu erpressen: Sie drohen, das Geheimnis zu offenbaren.
Die ersten Hunderttausend Dollar fließen bereits aus ängstlichen Provinzschwulen.
Die zweite Handlungsebene: Aaron Lake
Grishams Plot fährt zweigleisig. Parallel zur Bruderschaft entwickelt sich eine politische Geschichte:
Teddy Maynard, der an den Rollstuhl gefesselte CIA-Chef, findet die Welt nach dem Kalten Krieg unübersichtlich. Er sieht die Führungsrolle der USA schwinden und erwartet einen Putsch eines Generals in Russland.
Maynard will:
- Ein starkes Pentagon
- Mehr Waffen
- Ein Regime der eisernen Hand
Er lanciert in kürzester Zeit den Nobody Aaron Lake als Präsidentschaftskandidaten. Lake, seit 14 Jahren Abgeordneter im Repräsentantenhaus, wird mit einer einzigen erstschlagkräftigen Botschaft ins Rennen geschickt: “Pershing statt Pille Palle.”
Die Rüstungsindustrie spendet Hunderte Millionen, mit denen sich Lake das Präsidentenamt kaufen soll. Die CIA drückt High-Tech-Knöpfe und hilft mit huschender Manpower aus der Welt der Agentenschatten.
Die Katastrophe
Problem: Teddy hat Lakes Faible für knackige Knaben übersehen. Einer der Brieffreunde nennt sich “Al Konyers” - in Wahrheit ist es Aaron Lake.
Da Lake in den Umfragen sehr hoch führt und gute Chancen hat, nächster Präsidentschaftskandidat zu werden, wittert die Bruderschaft das ganz große Geschäft.
Der Kampf der Giganten
Obwohl die CIA bei der Auswahl ihres Kandidaten äußerst penibel war, ist es für Maynard überraschend, dass Lake ein solches Geheimnis hat. Die CIA versucht verzweifelt, an die Richter heranzukommen:
- Trevor wird bestochen - er soll für eine Million Dollar Kontakt zu den Richtern herstellen
- Die Richter feuern Trevor, weil sie das erwartete Geld nicht mit ihm teilen wollen
- Trevor macht sich mit seiner Million in den Urlaub - wo er erschossen wird
- Ein CIA-Agent wird ins Gefängnis eingeschleust
Das Ende
Für die Bewahrung ihres Geheimnisses verlangen die Richter jeweils zwei Millionen Dollar und die Freilassung aus dem Gefängnis. Unter der Bedingung, für die nächsten zwei Jahre das Land zu verlassen, werden ihre Bedingungen erfüllt.
Die Bruderschaft fliegt ins Ausland, wo sie mit ihrem Geld in Ruhe lebt. In Monte Carlo wird einer der Richter von dem CIA-Agenten wiedergefunden und mit der aktuellen Zeitschrift eines Schwulenmagazins konfrontiert, in dem dieselbe Anzeige inseriert wird. Der Agent fragt, ob die zwei Millionen nicht ausreichen würden. Die lapidare Antwort: “Man muss sich mit irgendwas doch die Zeit vertreiben.”
Lake wird von Maynard aufgeklärt, dass er sein Geheimnis die ganze Zeit über kannte - in Erwartung seines Wahlsiegs möchte er keine solchen Überraschungen.
Kritik
Positive Stimmen:
- “Der spannendste Grisham seit ‘Der Partner’ - ein geradezu diebisches Vergnügen.” - Entertainment Weekly
- Fesselnder, spannender Roman trotz konstruiertem Plot
- Einige Dinge erinnern fatal an US-Wahlkämpfe
- Zählt für viele Leser zu den fünf besten Grisham-Büchern
Kritische Stimmen:
- Der Plot ist aberwitzig und unglaubwürdig
- Grisham hat keinen erkennbaren Stil - “die Schattenrhetorik”
- Kleine pawlowsche Stilreflexe: “und er schämte sich ihrer nicht” (ständig wiederholt)
- “Erdrutschsieg” wird inflationär verwendet
- Der Zufall als billiger Ghostwriter
Frankfurter Allgemeine Zeitung: Kritisierte die Konstruktion massiv. Teddy Maynard kann “noch vor seiner Morgenrasur zwei Regierungen stürzen, eine Atombombe über den Khyber-Pass kutschieren” - aber drei Häftlinge sind “eine zu harte Nuss für ihn.” Der Trottel-Trust siegt über das Killer-Kartell.
Tempo und Struktur
Das Tempo ist in einigen Passagen deutlich langsamer als in anderen Grisham-Romanen. Die Geschichte ist aber geschickt konstruiert und die Handlungsstränge sind so verwoben, dass man nicht skimlesen kann - sonst verpasst man wichtige Details.
Rezeption
Trotz aller Kritik am konstruierten Plot versteht es Grisham, einen fesselnden Roman zu schreiben. Die zweigleisige Handlung zwischen Gefängnis-Erpressung und CIA-Machenschaften fasziniert viele Leser.
Die Geschichte erinnert in mancherlei Hinsicht an reale politische Verhältnisse und gibt Denkanstöße - auch wenn die Handlung nur der Phantasie des Autors entsprungen ist.
Das Phänomen Grisham
“Die Bruderschaft” erschien im Jahr 2000 als John Grishams elfter Top-Seller in Folge. Seit 1991 hatte er jedes Jahr ein Buch geschrieben - ein beispielloser Erfolg.
In Deutschland wurden seine Thriller mit ähnlichen Titeln vermarktet: DIE FIRMA, DIE AKTE, DER KLIENT, DAS URTEIL, DIE BRUDERSCHAFT - ein Mann, ein Substantiv. Jedes Jahr eins.
Trivia
- Keine Verfilmung (im Gegensatz zu vielen anderen Grisham-Romanen)
- Das Buch behandelt Themen wie Homosexualität, Erpressung und CIA-Manipulation auf ungewöhnlich direkte Weise für Grisham
- Die Geschichte zeigt eine zynischere Seite des Autors als seine frühen Werke