Gedanken zum #38c3 - der #Chaos #Communcation #Congress
Inhaltsverzeichnis

Wie in den vergangenen Jahren durfte ich die Zeit zwischen Weihnachten und Silvester auf dem Chaos Communication Congress verbringen, also bin ich wie viele Tausend Technik-begeisterte auch nach Hamburg gepilgert, um Teil einer unglaublichen Community zu sein.
Und ich habe es, wie immer, sehr genossen. Viel Inspiration, viel gesehen, viel gelernt, wie geredet.
Über den Congress gibt es viel zu sagen und tatsächlich kann man die Stimmung und den Flair weder in Worte noch in Bilder fassen.
Assemblies
Neben den Vorträgen, auf die ich gleich eingehen werde, ist das Programm noch viel größer und bunter. Natürlich sind die ganzen Hackspaces präsent und haben ihre eigenen Bereiche. Aber auch viele NGOs, wie Correctiv , freifunk.net , Wikimedia , [Digitale Gesellschaft] (https://www.digitale-gesellschaft.ch/) , Amnesty International usw. vertreten. Und viele Assemblies, mit der Möglichkeit zum löten, Lock-Picking, basteln, Dinge zum leuchten bringen, und und und …
Chaos Post
Eine weiter Institution, die beim Congress nicht fehlen darf, ist die Chaos Post . Hier kann man Postkarten (und es gibt dort unglaublich viele, wunderschöne Motive) schreiben und versenden. Diese werden dann von vielen netten Menschen entweder direkt auf dem Congress ausgetragen, oder per Post in die ganze Welt verschickt. Und um die Dimensionen etwas abschätzen zu können: ungefähr 48.000 Postkarten wurden während der 4 Tage benutzt. 6.838 davon in die “normale Welt” verschickt - in 57 unterschiedliche Länder. Und wer noch individueller sein wollte, mit seiner Postkarten-Gestaltung hatte die Möglichkeit über ein Photo2Postcard direkt vor Ort ein Foto von sich machen zu lassen, dies auszudrucken und als Postkarte zu versenden. Mega witzig!
Netzwerk (NOC)
Aber auch technisch war natürlich viel geboten und ein riesiges WLAN-Netz aufgespannt, um die vielen Besucher auch ordentlich mit Internet zu versorgen. Und der Congress wäre nicht der Congress, wenn das alles wäre, also gab es auch schon traditionell ein DECT-Netz , um mit den mitgebrachten Festnetz-Telefonen erreichbar zu sein. Sogar ISDN war möglich, auch wenn die Telekom dies abgekündigt hat. Auf dem Congress konnte man seine alte ISDN-Hardware produktiv betreiben.
Und so könnte ich fast endlos weitermachen. Sogar eine eigene Inhouse-Navigation gibt es. Damit findet man nicht nur den Ort, wo man hin möchte, sondern sieht auch in Echtzeit, wie voll die jeweiligen Räume sind.
Einen guten Überblick liefert der Infrastruktur-Vortrag (siehe unten).
Und immer wieder schön, überall auch die Kollegen von Atruvia AG zu treffen: Peter Fichtner, @Astrid La Delfa
Jetzt möchte ich auf ein paar Vorträge eingehen, die mich besonders beeindruckt haben.
Die Freiwilligen Helfer - Engel
Der Congress ist ein Community Event. Wie überall gibt es einen harten Kern, der die Hauptlast der Arbeit schultert. Aber vieles von dem, was dort angeboten wird, wäre nicht möglich, ohne die vielen Helfer - genannt Engel - die sich dort ehrenamtlich engagieren und mithelfen. Engel sind Teilnehmende, die ehrenamtlich dazu beitragen, dass die Veranstaltung stattfinden kann. Dafür werden sie nicht bezahlt und müssen sich, wie alle anderen auch, ein Ticket kaufen. Im Engelsystem werden sowohl die unterschiedlichen Arbeiten verwaltet, als auch die Schichten organisiert. Und es gibt viele Aufgaben, die anfallen. Sowohl sehr sichtbare, wie Herolde (also Vorträge ankündigen und Q&A-Sessions moderieren) als auch unsichtbare, wie Waschengel. Wichtiges, wie Evakuierungsengel, AV Angel usw.
In diesem Jahr habe ich zum ersten mal meine Wunsch umgesetzt, mich hier auch zu engagieren. Sowohl als Herold, als auch im SHOC, also im Stagemanger und Heralds Operating Center und als Access Control Angel. Eine tolle Erfahrung für mich, die mir einen ganz neuen Blick auf den Congress gegeben hat und etwas, was ich auf jeden Fall weiter fortführen möchte.
Vorträge
Das offizielle Programm des 38. Chaos Communication Congress wartet mit 7 Tracks auf, die 140 Vorträge mit 6625 Minuten Programm beinhalten. Und vielen Freiwilligen ist es zu verdanken, dass diese Vorträge nicht nur gehalten werden, sondern auch live und als Aufzeichnung zur Verfügung stehen, in mehrere Sprachen übersetzt werden, es die Möglichkeit gibt, Fragen vor Ort und über das Internet zu stellen usw. Ich bin sicher, es gibt noch ganz viel mehr tolle Vorträge zu entdecken, aber entweder habe ich sie nicht gesehen, oder es passt besser zu Dir, als zu mir. Also am besten gleich die Komplettliste durchstöbern und reinschauen. Die Liste ist nach dem Fahrplan sortiert und nicht nach Prio!
Correctiv-Recherche “Geheimplan gegen Deutschland” – 1 Jahr danach
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“Natürlich bin ich 18!” - Altersprüfungen im Netz aus Datenschutzperspektive
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„Konnte bisher noch nie gehackt werden“: Die elektronische Patientenakte kommt - jetzt für alle!
Bisher musste die ePA explizit beantragt werden. Ab Januar 2025 dagegen erhalten alle gesetzlich Versicherten, die nicht widersprechen, automatisch eine solche ePA.
Eine moderne Sicherheitsarchitektur ermöglicht dabei, dass die enthaltenen Gesundheitsinformationen in der ePA mit den höchsten Sicherheitsstandards geschützt werden.
„Der Datenschutz und die Datensicherheit waren uns zu jedem Zeitpunkt das wichtigste Anliegen“, so Gesundheitsminister Karl Lauterbach. „Ein solches System konnte bisher noch nie gehackt werden“.
Doch die Vergangenheit hat gezeigt: „Vertrauen lässt sich nicht verordnen“.
Martin Tschirsich und Bianca Kastl geben einen tollen Einblick in das System und die Zusammenhänge. … und genügend Gründe, der ePA zu widersprechen
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Der Thüring-Test für Wahlsoftware
Seitdem ist einiges passiert: Der Hersteller hat die Probleme nicht behoben, das BSI hat einen Stapel Papier produziert, die deutschen Anbieter von Wahlsoftware haben ihr Kartell vergrößert und unterschiedliche Wahl-Pannen untergraben weiterhin das Vertrauen in die Demokratie.
Wurden unsere Empfehlungen von 2017 umgesetzt? Linus Neumann und Thorsten (THS) Schröder erzählen lustig die harte Wahrheit, wie düster es an der Ecke leider aussieht.
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Feelings are Facts: Love, Privacy, and the Politics of Intellectual Shame
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Wir wissen wo dein Auto steht - Volksdaten von Volkswagen
Welche Folgen hat es, wenn VW massenhaft Fahrzeug-, Bewegungs- und Diagnosedaten sammelt und den Schlüssel unter die Fußmatte legt?
Was verraten Fahrzeugdaten über die Mobilität von Behörden, Ämtern, Ministerien, Lieferdiensten, Mietwagenfirmen, etc.?
Wofür werden diese Daten überhaupt gesammelt?
Flüpke und Michael Kreil haben unglaubliches aufgedeckt und verstehen es, dies auch humorvoll und kurzweilig rüberzubrigen.
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We’ve not been trained for this: life after the Newag DRM disclosure
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Fnord-Nachrichtenrückblick 2024
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Illegal instructions by legals - Anweisungen für den anwaltlich begleiteten Rechtsbruch
Tracker an Tiertransporter, Kameras vor einer Steueroase, Veröffentlichungen von Verschlusssachen, Frontex verpetzen oder sich selbst verpetzen lassen, Menschen in Seenot retten. Zwei Anwältinnen, die Recht(sbruch) studiert haben, teilen mit euch ihre Erfahrungen aus juristischer out of Action preparation, Whistleblowing-Schutz und Anti-Repressions-Arbeit.
Was immer du recherchieren möchtest, welche Missstände du aufdecken möchtest, wir zeigen wie es geht. Wir spielen mit euch eine fiktive Aktion durch: Von der Planung über die Durchführung bis zur Sicherung der Erkenntnise und Vorbereitung auf Ermittlungsmaßnahmen.
Bonusmaterial - Plan B: Was tun, wenn was schief geht? Neuorientierung when shit hits the fan oder wie mensch sich Repressionen und Kriminalisierung zu nutze machen kann.
Vivian Kube und Vera Magali Keller haben mich sehr fasziniert. Der Vortrag wurde aber bewusst nicht aufgezeichnet, also keine Möglichkeit, ihn zu sehen, wenn man nicht live dabei war.
Erpressung aus dem Internet - auf den Spuren der Cybermafia
Svea Eckert und Ciljeta Bajrami sind den Spuren gefolgt - für mich war’s überraschend und sehr spannend.
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Hacking yourself a satellite - recovering BEESAT-1
PistonMiner berichtet darüber, wie man einen Satelliten reparieren kann.
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Fake-Shops von der Stange: BogusBazaar
In den vergangenen drei Jahren hat allein diese eine kriminelle Organisation, die wir BogusBazaar nennen, auf mehr als 75.000 Domains gefälschte Markenshops aufgesetzt und damit eine Million Bestellungen mit einem Auftragsvolumen von mehr als 50 Millionen USD abgewickelt.
Ein ausgeklügeltes und über die Jahre gewachsenes Setup ermöglicht einen reibungslosen Prozess vom Kopieren der originalen Markenläden, über das Aufsetzen gefälschter Webshops und dem Konfigurieren der Produkte, bis hin zum Orchestrieren der Zahlungsinfrastruktur.
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BlinkenCity: Radio-Controlling Street Lamps and Power Plants
Fabian Bräunlein und Luca Melette haben Dinge entdeckt und gemeldet, die beeindruckend und beängstigend zugleich sind. Schade, dass die Betreiber nicht so reagieren, wie man sich das wünscht. Und um so schöner, dass die beiden Ihre Erkenntnisse mit uns geteilt haben.
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Von Augustus bis Trump – Warum Desinformation ein Problem bleibt und was wir trotzdem dagegen tun können
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Der Milliarden-Steuerraub Cum/Ex – wie schädlich ist Wirtschaftskriminalität für unsere Gesellschaft?
Anne Brorhilker ist Juristin und war über zwei Jahrzehnte in der Staatsanwaltschaft Köln tätig. Als Oberstaatsanwältin ermittelte sie gegen CumEx-Täter*innen und erstritt zahlreiche rechtskräftige Urteile. Bei Finanzwende ist Anne in der Geschäftsführung und leitet den Bereich Finanzkriminalität.
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Knäste hacken
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Das IFG ist tot – Best of Informationsfreiheit, Gefangenenbefreiung & Machtübernahmen
Wenn das IFG tot ist, sollten wir dafür kämpfen, es wiederzubeleben – vielleicht als Untote? Zahlreiche Skandale, die FragDenStaat in diesem Jahr aufgedeckt hat, zeigen, wohin der Weg gehen sollte:
- Wir brauchen mehr Leaks & illegal instructions für Beamte
- Es ist Zeit, Verwaltungen zu infiltrieren
Mit dem Best of Informationsfreiheit, FragDenStaat, Gefangenenbefreiung und Machtübernahmen.
Arne Semsrott ist Leiter von FragDenStaat und ein grandioser Redner und noch viel wichtiger: ein Kämpfer für wichtige Themen.
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From Simulation to Tenant Takeover
Vaisha Bernard zeigt auf, wie es ihm gelungen ist innerhalb von Microsoft Azure mehrere Sicherheitslücken zu finden und an Microsoft zu melden und dabei ganz schön viele Rechte bekommen hat.
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Find My * 101
Henryk Plötz zeigt die Technik hinter den Bluethooth Trackern von Apple und Google. Worin unterscheiden sie sich? Was ist damit möglich?
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Security Nightmares
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38C3: Infrastructure Review
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Community Bühnen

Bilder
Die Photo Policy auf Chaos-Events ist einfach und klar:
- Fragen Sie alle Personen auf dem Bild, ob sie damit einverstanden sind, fotografiert oder gefilmt zu werden.
- Informieren Sie sie, wenn Sie das Bild irgendwo veröffentlichen wollen.
- Daraus folgt, dass Aufnahmen von der Bühne in Richtung Publikum und lange Aufnahmen in den Hackcentern, Versammlungsräumen und den anderen öffentlichen Bereichen nicht möglich sind!
- Bitte beachten Sie, dass wir Fotografen und Filmteams bitten können, die Veranstaltung zu verlassen, wenn sie sich nicht entsprechend verhalten.
Das gilt es natürlich zu respektieren. Also habe ich fast keine Fotos gemacht. Aber glücklicherweise gibt es andere Menschen, die sowohl ein Auge für tolle Motive haben, als auch die Photo Policy respektieren. Hier tolle Bilder, welche die Stimmung super einfangen.